Montag, 11. Juli 2016

Merci & Vielen Dank

Die Europameisterschaft 2016 ist gestern zu Ende gegangen und als Sieger steht überraschenderweise Portugal fest. (An dieser Stelle Herzlichen Glückwunsch an Cristiano & Co)

Voller Überraschungen waren aber auch unsere Tage und Wochen live vor Ort in Frankreich.

Wie ich es vor 2 Jahren bei der WM in Brasilien gemacht habe, würde ich nun auch gerne ein kleines Fazit der letzten 4 Wochen ziehen. 
Was habe ich im Vorfeld von diesem Turnier eigentlich erwartet, welche Gedanken gingen mir durch den Kopf?

- Hoffentlich bleibt es friedlich!
- Die Stimmung im ganzen Land wird ausgelassen sein, nicht nur in den Stadien.
- Es wird sicher spannende Spiele geben.
- Die Stadien sind rappelvoll und es wird schwierig werden an Tickets zu kommen.
- Werden wir wieder Europameister?
- mit 5 Chaoten durch Frankreich fahren, geht das gut?
- 14 Spiele in 20 Tage sehen, ist das krank oder verdammt cool?
- kein Alkohol in den Stadien, überleben wir das überhaupt?

Dies und noch viele weitere Themen waren hauptsächlich in unseren Köpfen. Wo fange ich also am liebsten an und was lasse ich am besten weg? 

Ich muss euch ehrlich gestehen, als gestern der letzte Pfiff durch die Pfeiffe von Schiri Clattenberg ging, war ich einfach froh das es bis zum Schluss keine Terror-Schlagzeilen gab.
Bei mir war dieses Thema jeden Tag präsent und ich konnte es einfach nicht aus meinen Gedanken streichen. Egal ob ich in der U-Bahn saß, am Stadion in der Schlange von Menschenmaßen stand oder in Paris in einem Café hockte...Irgendwann ergriff mich leider oft dieser Gedanke: "Bitte lass hier jetzt einfach alles ruhig bleiben". Gott sei Dank, dass es wirklich keine Zwischenfälle dieser Art während des kompletten Turnier gegeben hat. Ich weiß nicht welches Ausmaß ein solcher Akt gehabt hätte, zum Glück werden wir es nie erfahren.

Waren es diese Gedanken, welches ein ganzes Land in Unsicherheit gebracht hat? Ich kann es euch nicht sagen, aber es ist eine Vermutung von mir weshalb wir folgende Dinge erlebt haben. 
Egal bei welcher WM oder EM ich bisher war, überall hast du vom ersten Tag diese besondere Atmosphäre schon nach 2 Minuten mitbekommen. Es hat förmlich nach Fussball gerochen und du hattest gar keine Chance diesem Geruch zu entfliehen.

In Berlin 2006, wurden alle Fans von einem 34 Meter langen, überdimensionalen Oliver Kahn empfangen, der einmal komplett über der Autobahn hing. Selbst wenn du in München losfuhrst, war das Volksparkstadion in Hamburg schon auf WM Tafeln ausgeschildert. Es war schon vorab ein (Sommer) Märchen.

In Wien 2008, waren auf der Fanmeile so viele Menschen, dass es hier sogar einen Schwarmarkt dafür gab. Österreich Trikots waren in den Shops ausverkauft.

In Johannesburg 2010, konnten wir bei Ankunft unser eigenes Wort in der Schalterhalle nicht mehr verstehen, da gefühlte 2.500 Vuvuzelas einen so großen Lärm erzeugten, dass ich heute noch davon träume und gefühlt mit einem Tinitus aufwache.

In Warschau und/ oder Kiev 2012, war jeder Balkon mit polnischen und ukrainischen Flaggen geschmückt und die Leute gingen sogar mit ihren Nationaltrikots abends ins Bett.

In Sao Paulo 2014, wurden wir von musikalischen Fans mit brasilianischen Rythmen empfangen, bekamen einen WM Spielplan in die Hand gedrückt und das WM Maskottchen tanzte fröhlich mit.

Ach ich könnte jetzt noch so viele Erinnerungen aufzählen die mir im Kopf geblieben sind. Jedenfalls habe ich gehofft, dass wir von dem wenigstens ein bisschen erleben werden. Was mich am meisten überrascht und entäuscht hat war, dass von all diesen Dingen einfach rein gar nichts rüber kam. Es bleibt auch die Frage muss das alles überhaupt sein? Nein muss es nicht - aber es gehört irgendwie dazu, wenn sich ein Land für solch ein Turnier bewirbt, sich demnach auch nach außen präsentiert. Das was uns jedefalls alle etwas irritierte war, dass kaum Fahnen an den Häusern oder an den Straßen wehten. Das selbst die Einheimschen nicht mal wussten, welche Teams in ihren eigenen Städten spielen. Das bei den Spielen der Franzosen fast gar nichts in den Kneipen oder auf den Straßen los war. Das keine Euphorie entstand obwohl die Jungs es bis ins Finale geschafft haben. Diese und noch viel mehr Kleinigkeiten haben uns einfach gewundert.

Genug gemosert und kritisiert...

Ok nicht ganz, denn wenn ich an die Qualität der Vorrundenspiele denke wird mir jetzt schon wieder ganz langweilig. Eigentlich stand ich dem Modus (24 Mannschaften) sehr positiv gegenüber, denn so hatten auch kleine Mannschaften die Chance über sich hinaus zu wachsen. Jedoch hattes dies auch zur Folge, dass bei so Partien wie zwischen Albanien - Rumänien nicht wirklich der Funke über gesprungen war. Die Problematik wurde aber desöfteren ja schon von Experten von Funk und Fernsehen angesprochen und findet bei mir nun auch keine weitere Anklang mehr. 2020 wird es wieder so sein und vielleicht kommen dann wieder so Nationen wie Wales oder Island um die Ecke und begeistern das ganze Turnier.

Aproppos kleine Nationen: Wir haben die Isländer und die Nordirlen live in den Städten und Stadien miterlebt und was bleibt uns in Erinnerung? - Erste Sahne, Hut ab, wir haben uns ein wenig verliebt. Wie ihr uns mit euren Gesängen (Huh & Will Grigg is on fire) in Grund und Boden gesungen habt, wird mir wahrscheinlich noch lange unter die Haut gehen. Das waren so Momente die mit zu unseren Highlights zählten. Zum Glück spielen wir nächstes Jahr in der WM Quali in Nordiralnd, die Tage sind im Kalender bereits geblockt und bis dahin sind wir sicherlich auch wieder on fire. 

Was ich bereits in einigen Artikeln erwähnt hatte, war die Leichtigkeit an Tickets für ausschließlich alle Spiele zu bekommen. Das wussten vor dem Turnier wirklich nur die Wenigsten, und ich erst recht nicht. Wie viel Zeit ich für das Tauschen/Verkaufen und Kaufen von Eitrittskarten investiert habe war im Nachhinein fast verschenkt. Aber wer weiß sowas schon vorher, wohl kaum einer. Naja es war trotzdem ein gutes Gefühl vor dem Turnier alle 70 benötigten Tickets in der Tasche zu haben und nicht ins Ungewisse zu fahren. Die Ticketpreise waren bis zum Achtelfinale für UEFA Verhältnisse sogar noch recht erschwinglich. Für 55€ in der Kategorie 3 (von 4) saßen wir meist hinter den Toren im Unterrang. Die Einlasskontrollen waren kaum intensiver oder dauerten länger als bei Spielen in der Bundesliga. Hier haben wir mit mehr Gegenwehr und Abtastversuchen von den zahlreichen Ordnern gerechnet. Aber die Jungs haben einiges richtig gemacht, denn es sind kaum Bengalische Feuer oder Böller gezündert worden. Die Organisation war bis auf ein paar Ausnahmen wirklich erste Sahne. Egal ob wir unseren Rucksack abgeben mussten oder in die recht weit aus der Stadt liegenden Stadien mussten, hier wurde ganze Arbeit geleistet. Ein völlig unkomplizierter Transfer und Abtransport nach dem Spiel war immer gewährleistet.

Komme ich nun zu unserem Transportmittel, dem Wohnmobil. Es war eine tolle Erfahrung die wir damit gemacht haben. Ich war echt skeptisch ob das mit uns 5 Chaoten wirklich klappen wird. Aber es hat funktioniert, bis auf die ein oder andere Kleinigkeit vergebe ich 9 von 10 Punkten. Fast jeden Tag haben wir mehrere hundert Kilometer gefressen und steuerten insgesamt 6 Campingplätze an die alle in ihrer Art irgendwo besonders waren.

In Lille überlebten wir nur die erste Nacht, da wir angeblich zu laut waren (da gibt es geteilte Meinungen zu)
In Bordeaux standen wir inmitten des größten Pinienwald Frankreichs.
In Marseille hatten wir es 200 Meter bis zum blauen Meer.
Und in Paris und Lyon waren keine Auffälligkeiten zu entdecken.

Wenn wir mal eine Nacht keine Lust auf einen Campingplatz hatten, stellten wir uns einfach in die Nähe vom Stadion und nächtigten, zwar ohne Strom, aber trotzdem zweckmäßig dort. Was ich aus diversen Foren und Reiseführern als völlig unverantwortlich zig mal lesen musste, bestätigte sich bei uns zum Glück nicht. Keine Einbruchsspuren, kein Betäubungsgas im Wohnmobil, keine platten Reife und das Mobil war nie weg.

Frankreich hat so viel zu bieten, wir haben so viele schöne Ecken erkundet und sind froh das miterlebt und gesehen zu haben. Der Süden war am schönsten, es lag sicher am Wetter und auch am Strand. Das absolute Highlight war aus meiner Sicht aber ganz klar Nizza mit der verbundenen TGV Zughinfahrt. Die Cote daAzur hat wirklich Charme und nicht nur kristallblaues Wasser wie in der Karibik zu bieten, sondern auch schöne Gassen und nette Menschen.

Zum Deutschen Fußball will ich wirklich keine lange Reden schwingen. Wir sind wieder mal ins Halbfinale gekommen und darauf können wir stolz sein. Wir sind mittlerweile so eine stabile Mannschaft geworden die man eigentlich immer auf dem Zettel haben muss. In den entscheidenen Situationen waren wir diesmal nicht abgezockt genug. In Brasilen hatten wir das Quentchen Glück auf unserer Seite, diesmal war es leider nicht so und das ist auch okay.

Die letzten Tage waren in Marseille nochmal ein spitzen Abschluss. Zwar sind wir aus dem Turnier geflogen, hatten aber mit den Jungs aus Essen um David, Bauer, Kosi und Willi einige tollen Stunden.
Ob am Strand, beim Pokern, in der Pizzeria, im Kreisverkehr oder im/vor dem Stadion. Gelacht haben wir dort wirklich sehr viel.

Nun heißt es mit dem Abenteuer und der EM abzuschließen. Es war eine schöne Zeit welche ich nicht vergessen werde.

Zusammengefasst:
-12 Spiele live im Stadion
- 9/10 Stadien besucht
- über 7.000 Kilometer gefahren
- 2 Inlandsflüge 
- 6 Campingplätze besucht
- viele Freunde getroffen
- Spaß ohne Ende gehabt
- Frankreich kennengelernt
- 240 Würstchen vergrillt 
- 9 Paletten Gerstensaft vernascht
- über 600€ Maut bezahlt
- ....




Ich möchte mich ganz herzlich bei allen Mitfahrern bedanken die an der Tour beteiligt waren.
Es waren mit der Zeit zwar einige, trotzdem will ich es mir nicht nehmen lassen alle nochmal persönlich aufzuzählen.

Danke an die Wohnwagencrew: Bastian McWeinkath, Kevin Babo Fondermannsson, Daniel Günthermann und Fabian "Saubermacher" Wintersson

Danke an die Wesel-Besucher: Griller-Senge, Julian, Sascha, Jannik, Christian, Mark (ich hoffe ich habe niemanden vergessen)

Danke an meine Freundin Nadine, die beim emotionalsten Spiel gegen die Italiener mit mir mitgefiebert hat.

Danke an Halbfinalmitfahrer: Bastian "Haake Beck" Borchers und Andy "Peere" Peerenboom

Danke an die "Raum Essen Crew": David Stolte, Philipp Bauer, Marcel "Kosi" Koslitz und an Willi "der K(r)ämpfer"

Danke an die Stuttgarter Freunde: Micha, Joa, Benni, Jan...etc!

Und DANKE an euch alle. An alle die unseren Blog so aufmerksam verfolgt und kommentiert haben. 

Wir sind stolz auf knapp 40.000 Besucher in knapp 4 Wochen. Totaler Wahnsinn und einfach klasse. 


Merci Frankreich, es war schön bei euch.

3 Kommentare:

  1. Merci für diesen Blog Christoph. Hat Spaß gemacht zu lesen und eure Erlebnisse zu verfolgen. Ich hoffe allerdings dass ich bei der nächsten Tour nicht mehr zu den Lesern sondern wieder zu den Schreibern gehöre.

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  2. Vielen Dank für die emotionalen, spaßigen und tollen Zeilen. Habe euch mit Freude verfolgt. Wir sehen uns hoffentlich auf dem Sommerfest u dann darfst du gerne mehr erzählen. Bis dahin und liebe Grüße an den Rest der Crew.

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  3. danke für die tollen Eindrücke !

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